A-Gain Guide

Fast Fashion war gestern. Der A-Gain Guide zeigt Hamburg den Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Die Modeindustrie steht am Scheideweg: Mit jährlich 92 Millionen Tonnen Kleidung, von denen der Großteil auf Mülldeponien landet, verursacht die Branche mehr CO₂ als der gesamte internationale Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Ein T-Shirt verbraucht in der Herstellung rund 2.700 Liter Wasser. Zudem gelangen jedes Jahr hunderttausende Tonnen Mikroplastik durch synthetische Stoffe wie Polyester in unsere Meere. Auch soziale Missstände wie Kinderarbeit und prekäre Arbeitsbedingungen prägen nach wie vor viele Produktionsketten. Eins ist klar. So kann es nicht weitergehen!

Lichtblick – Mode neu denken

Gleichzeitig wächst in Hamburg und anderswo das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum. Immer mehr Menschen stellen sich die Frage: Muss es immer neu sein? Nein!! Die zukunftsverantwortliche Alternative heißt: Reparieren statt wegwerfen, Secondhand statt Fast Fashion, tauschen statt shoppen. Die Berliner Modewelt geht mit gutem Beispiel voran – nun zieht auch Hamburg nach. Der A-Gain Guide liefert das nötige Know-how und zeigt: Nachhaltige Mode kann stylisch, lokal und zukunftsorientiert sein.

Was ist der A-Gain Guide?

Der A-Gain Guide ist eine interaktive Online-Plattform. Das Projekt wurde vom Verein Circular Berlin gemeinsam mit den Mitgründerinnen Stefanie Barz und Alessandra-Isabel Hager von LoopLook mit Fördermitteln des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK 20230) entwickelt und wird seit dem von Circular Berlin getragen. Nun wird die Plattform zum ersten Mal in Hamburg repliziert und von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) finanziert. Sarah Keller (Circular Textiles Project Manager bei Circular Berlin) und Victor Büchner (Head of Business Development, Impact HUB /105Viertel) sind maßgeblich an der Umsetzung in Hamburg beteiligt.

Die Hamburger Website www.hamburg.a-gain.guide bietet für Konsument:innen eine Orientierung, macht Wege sichtbar für den nachhaltigeren Umgang mit Kleidung und Schuhen von der Reparatur bis hin zum Recycling. Ziel ist es, Kleidung länger im Kreislauf zu bewahren, die Lebensdauer zu erhöhen und damit den textilen Müll zu reduzieren.

„Hamburg will eine „Circular Economy“ werden, also eine Stadt, in der Ressourcen sparsam und so lange wie möglich verwendet werden. Dazu zählt auch, Textilien zu reparieren, wiederzuverwenden und aufzuwerten, denn Fast Fashion ist schädlich für die Umwelt und unser Klima“, bestätigt Katharina Fegebank, Senatorin der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA).


So funktioniert der A-Gain Guide: lokal, praktisch und digital

Herzstück ist eine digitale Stadtkarte (map), die zeigt, wo in Hamburg Kleidung getauscht, gespendet, upgecycelt oder repariert werden kann.

Die Plattform gliedert sich in map, guide, knowlege, repair price. Unter Knowledge erfährt man unterschiedliche Informationen und Anregungen:

  • Rethink (Kleiderschrank-Check): Wie viel Kleidung besitzen Sie wirklich? Mit einem interaktiven CO₂-Rechner erfahren Nutzer:innen, welchen ökologischen Fußabdruck ihr Kleiderschrank hinterlässt – und wie sich dieser durch gezielte Entscheidungen reduzieren lässt.

  • Care (Pflege): Wer Kleidung richtig wäscht, schont Umwelt und Material. Tipps, Tutorials und Informationen zur nachhaltigen Textilpflege helfen, die Lebensdauer von Kleidung deutlich zu verlängern.

  • Repair (Reparatur): Ein Riss oder ein kaputter Reißverschluss ist noch lange kein Grund, Kleidung zu entsorgen. Der Guide listet Reparaturservices, Repair-Cafés und Workshops in Hamburg.

  • Remake (Upcycling): Aus alt mach neu: Wie sich aus kaputten oder ungeliebten Stücken neue Lieblingskleidung gestalten lässt, zeigen kreative Beispiele, Do it yourself-Tipps und lokale Anbieter. Foto Bridge & Tunnel.

  • Buy (Nachhaltig kaufen): Wer doch etwas Neues braucht, findet hier Adressen für Läden mit Secondhand-Mode – lokal und online.

  • Share (Tauschen & Leihen): Für das nächste Event muss es kein Neukauf sein. Plattformen wie Kleiderei oder https://swapevents.de zeigen, wie man Kleidung teilen oder mieten kann. Foto Kleiderei.

  • Recirculate (Kreislauf schließen): Ob Kleiderspende, Verkauf oder Weitergabe – der A-Gain Guide hilft, Kleidung sinnvoll in den Kreislauf zurückzubringen. So landet sie nicht auf Deponien in Ghana oder in der chilenischen Atacama-Wüste.

Hamburg als Vorreiter

Entstanden ist das Projekt ursprünglich in Berlin. Mit Unterstützung der Stadt Hamburg wurde der A-Gain Guide nun für die Hansestadt lokalisiert.

„Wir freuen uns sehr, dass wir den A-Gain Guide für Hamburg gemeinsam mit der Stadt ins Rollen bringen können. Der Guide liefert passgenaue Lösungen und zeigt zum Beispiel auch, wie viel CO₂ die Nutzerinnen und Nutzer dabei einsparen können. Der A-Gain Guide passt gut zu unseren Zielen für Hamburg, weil er lokale Initiativen in den 105 Stadtvierteln sichtbarer macht und den Bürger:innen Angebote für nachhaltige Mode direkt in ihrem Lebensumfeld aufzeigt“, sagt Birte Prinzhorn, Co-Geschäftsführerin von 105Viertel.

„Unser Ziel ist es, nachhaltige Alternativen für alle sichtbar und zugänglich zu machen. Über ein Registrierformular können sich Hamburger Betriebe schnell und unkompliziert listen lassen, die nachhaltigen Dienstleistungen rund um Textilien anbieten“, sagen Sarah Keller (Circular Berlin) und Victor Büchner (Impact HUB, 105Viertel).

Ein Modell für ganz Deutschland?

Der A-Gain Guide ist mehr als eine Website – er ist ein Werkzeug für den echten Wandel. Wünschenswert wäre eine bundesweite Ausweitung. In Frankreich gibt es bereits Abgaben für nicht nachhaltige Modeunternehmen, mit deren Einnahmen umweltfreundliche Alternativen gefördert werden. Vielleicht auch ein Modell für Deutschland?

A-Gain & A-Gain Festival

Zur offiziellen Eröffnung des A-Gain Guide laden die Initiatoren 105Viertel und die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) zum A-Gain & A-Gain Festival ein am 27. September 2025, von 11 bis 19 Uhr im Design Zentrum Hamburg in der Hafencity, Hongkongstraße 8. Der Eintritt ist frei.

Das Festival inspiriert zum Ausprobieren, Mitmachen und Entdecken. Workshops, Stände, aktive Aktionen und jede Menge Inspiration rund um Kleidung und Textilien erwarten die Besucherinnen und Besucher.

Infoblock

2021 wurde der A-Gain Guide ins Leben gerufen. Er ist ein Projekt von Circular Berlin. Es wurde mit Unterstützung der Umweltbehörde und des Senats für Wirtschaft sowie weiteren Kooperationspartnern gegründet. Circular Berlin wurde 2019 gegründet. Circular City – Zirkuläre Stadt e.V. (Circular Berlin) ist eine offene, gemeinnützige Initiative, die den Übergang der Metropolregion Berlin zu einer Kreislaufwirtschaft beschleunigt.

Die sozialunternehmerische Initiative 105Viertel hat den Guide mit einem Konsortium und im Auftrag der BUKEA auf Hamburg zugeschnitten. 105Viertel hat sich zum Ziel gesetzt, daran mitzuwirken, Hamburg zu einer noch lebenswerteren Stadt zu machen – für alle Bewohnerinnen und Bewohner und in allen über 100 Stadtvierteln.

Previous
Previous

Die Neugeburt für Bademoden der Zukunft

Next
Next

Exclusive Unikate der Zukunft